Südkorea
Flug von Guilin nach Seoul mit zwei Zwischenstopps. Südkorea bietet eine visumsfreie Einreise. Es ist aber eine Einreisekarte auszufüllen, was man besser schon vorher online erledigt. Dann zum ATM, um die T-money Card für die Öffis kaufen zu können. Das geht nur mit Bargeld. Ansonsten wird hier meistens mit Kreditkarte bezahlt. Der Schnellzug bringt einen ins Zentrum, das genauso ist wie ich es mir vorgestellt habe: Wolkenkratzer, die üblichen Boutiquen, Geschäftsviertel, Migrantenviertel, und überall internationale Anzugsträger, viele überdimensionierte Luxuskarossen und Menschen in Pappkartons.






„…Wirtschaftliche Folgen: Die Beteiligung war mit den USA verhandelt, wobei Südkorea wirtschaftliche Vorteile wie Kredite und Technologietransfers erhielt, was zum sogenannten „Wunder am Hangang“ (Wirtschaftsaufschwung) beitrug.
Kontroversen: Neben militärischen Erfolgen gab es Berichte über Massaker an Zivilisten und Kriegsverbrechen durch südkoreanische Truppen, mit denen sich das Land bis heute teilweise nur schwer auseinandersetzt. [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7]“. Es gibt halt kein Land auf der Welt, das nicht in der Lage wäre die gleichen Verbrechen zu begehen, die es selbst erfahren musste. Spätestens als ich die vielen Menschen sah, die auf den unzähligen Panzern und Kanonen auf dem Gelände hier posierten, habe ich mich entschlossen davon keine Fotos einzustellen. Ein historisches Museum ist das nicht wirklich…















Weitere Fotos aus dem Stadtzentrum erspare ich mir. So fotogen finde ich es hier nicht. Am ersten Mai haben in der Fußgängerzone sämtliche Geschäfte geöffnet, und alle sind nur zum Einkaufen unterwegs. Es herrscht kaum ein Durchkommen. In der Nähe des Bahnhofs stehen ein paar Typen, die die Aberkennung des Wahlrechts für Chinesen fordern (die dürfen aber eh nur auf kommunaler Ebene wählen, und auch nur bei unbegrenzten Aufenthaltstiteln). Vielleicht ein Zeichen dafür wie gespalten das Land ist. Erst vor kurzem hatte ja der Expräsident das Kriegsrecht ausgerufen, gegen die Opposition, die angeblich von Chinesen und Nordkoreanern unterwandert wäre… Aktuell nähert sich Südkorea China wieder an, was vielleicht mehr Sinn macht als seine Bevölkerung kaputt zu sanktioneren. Den Stigmatisierten hier wird es egal sein woher das Geld kommt. Und die gibt es im Überfluss: Ich war dann doch überrascht wieviele, hauptsächlich ältere Menschen, an der Suppenküche Schlange stehen müssen, und wieviele in Pappkartons auf der Straße „leben“. Ich werde Fotos davon nicht hier einstellen, da die Situation schon entwürdigten genug ist. Eine kurze Internetsuche sagt dazu:
„Höchste Altersarmut in der OECD: Fast die Hälfte der Senioren gilt als arm, viele müssen trotz Rente weiterarbeiten“.
Aber wir sind ja nicht mehr weit davon entfernt: „Mit ca. 53 % liegt die Rente im Verhältnis zum letzten Einkommen deutlich unter dem OECD-Schnitt (ca. 63 %), was auf ein geringeres Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente hindeutet.
Geringverdiener-Problematik: Im Gegensatz zu vielen anderen OECD-Ländern werden Renten von Geringverdienern in Deutschland nicht automatisch staatlich aufgestockt, was das Armutsrisiko in dieser Gruppe erhöht.
Lange Arbeitszeit: Trotz des Armutsrisikos müssen Deutsche im EU-Vergleich besonders lange arbeiten“.
Das ist Stand bevor der Friedrich seine Kettensäge einsetzt! Peinlich für die beiden reichen Länder und sicherlich kein weiteres Argument unseres Systems gegenüber China…
„Der Friederich, der Friederich,
Das war ein arger Wüterich!“ steht schon im „Struwwelpeter“. Und auch dass der Friedrich gerne zur Peitsche griff. Doch am Ende sitzt der ausgepeitschte Hund an „Friedrichs Tischchen“, „wo er den großen Kuchen aß; aß auch die gute Leberwurst, und trank den Wein für seinen Durst. Die Peitsche hat er mitgebracht,Und nimmt sie sorglich sehr in acht“…
Und nun weiter nach Jeju. 10 Prozent der nicht gerade kleinen Insel sind Weltnaturerbe.







Hauptattraktion sind die Lava Tunnel auf Jeju. Die touristischste Höhle ist jedoch gesperrt. Ich war stattdessen in Micheongul. Für ein paar Euro Eintritt ist der botanische Garten dabei. Die Höhle ist ganz nett, auch wenn ich die Farbstrahler nicht mag










Fahrt mit dem Bus nach Seogwipo, auf der anderen Seite der Insel. Dort habe ich auch ein paar Tage die Gegend erkundet.
Der Olle Trail umrundet die Insel Jeju Do auf mehr als 400 km. Er ist in einzelne Abschnitte unterteilt. Ich bin den Abschnitt Nr 7 gewandert, da er sehr schön sein soll und nahe an Seogwipo liegt.









Aus gegebenem Anlass mal ein kurzer China – Südkorea – Vergleich: Als ich in Seoul angekommen bin, viel mir sofort positiv auf, dass hier niemand versucht mich an grünen Ampeln, Gehwegen oder Zebrastreifen zu überfahren. Allgemein ist auch der Umgang untereinander wesentlich zurückhaltender. Es wird auch schon mal gedrängelt, aber weniger. Südkorea ist für mich eine Mischung aus China und Europa, mit positiven und negativen Seiten. Koreaner spucken auch nicht überall hin, obwohl auch hier bei fast jeder Busfahrt jemand fortlaufend die Nase hochzieht oder einem in den Nacken geniest wird. An einem Punkt des trails ging es auf einen Hügel, auf dem oben eine kleine Hütte zur Sternenbeobachtung steht. Hier legte ich eine kleine Rast ein, und freute mich über die Ruhe, da fast alle Touristen unten, auf der Straße abkürzen. Schon nach zwei Minuten tauchte ein Typ auf, setzte sich auf die Bank gegenüber, zog die Schuhe aus und ging mehrere Runden im Kreis. Dabei dudelte die ganze Zeit sein Handy lautstark Werbung irgendeines Radiosenders. Zum Schluss blieb er 10 Meter neben mir stehen und stieß minutenlang Flatterfürze aus. Wie weit muss man laufen und reisen, ohne diese permanenten Überraschungen? Ein weiteres Beispiel, das nichts mit dem trail, aber mit den Nebengeräuschen des Alltags zu tun hat: An dem Regentag zuvor wunderte ich mich über einen älteren Mann, der im Bus einen Wischmop in der Hand hielt. Naja, dachte ich, wie in China muss wohl auch jemand angestellt sein, der die Pfützen im Bus wegwischt. Aber später stellte sich der Mann mit Mop bereit für den Ausstieg, sog – den Geräuschen nach zu urteilen – irgendwelche Körpersekrete aus den verwinkelsten Kapillaren der Hölle, um sie anschließend mitten in den Bus zu platzieren. Den Mop nahm er aber nicht zum Aufwischen, sondern als Stütze beim Ausstieg. Der Busfahrer musste hinterher rennen und sich seinen Mop zurück holen…








Mt Hallasan: der höchste Berg Koreas, Weltnaturerbe und ein beliebtes Ausflugsziel. So beliebt, dass man für den Trail vorab reservieren muss. Der Berg lässt sich von zwei Seiten besteigen. Ich musste 3 Tage im voraus reservieren und habe schon für den Termin nur noch einen Startplatz für die steilere Strecke erhalten. Es sind mit 1300 hm 200 Meter mehr als auf der anderen Seite, die ich wieder runter lief. Die Bergspitze liegt auf knapp 2000 hm. Mit den öffentlichen Bussen braucht man von Seogwipo zum Eingang fast 2 Stunden.
Es war wieder ein sonniger, windstiller Tag. Die Temperaturen hier in Korea liegen aber unter denen meiner letzten Orte in China.









Meine Erfahrungen mit den Koreanern sind fast durchgehend positiv. Klar, gibt es immer ein paar Störer, und Menschenansammlungen sind auch immer anstrengend. Einmal stand ich abends an der Straße, auf einen Bus wartend. Da die Apps nicht immer so genau sind, fragte ich den Fahrer eines Reisebusses nach dem nächsten Stadtbus zum terminal. Der hatte seine Ladung gerade abgesetzt und machte Pause. Dann bot er mir (per Übersetzungsapp) an mich dorthin mitzunehmen. Wohl niemand in Deutschland würde das tun… Etwas überrascht hat mich, das hier nur wenige Leute Englisch sprechen. Sicherlich mehr als in China, aber für eins der reichsten Industrieländer doch wenig. Das stört mich nicht wirklich. Schließlich müsste ich mich ja mit der Landessprache beschäftigen. Außerdem schützen die Sprachbarrieren sicherlich ein wenig vor noch mehr Tourismus und höheren Preisen. Die sind schon wesentlich höher als in China, aber vielleicht noch etwas geringer als in Taiwan…
Zu Jeju Do ist noch zu sagen, dass es im Süden eine Militärbasis gibt, die auch intensiv von den USA genutzt wird um China zu provozieren. Dagegen gab es massive Proteste, insbesondere von den Anwohnern. Die fühlen sich von davon nämlich nicht beschützt, sondern als potentielles Angriffsziel… Den Amerikanern kann man das Cruisen mit Kriegsschiffen fernab ihres westlichen „Hoheitsgebietes“ nicht verübeln. Geographie gehörte noch nie zu den Stärken von US – Präsidenten.
Meine nächste Fahrt ging in den Westteil der Insel. Hässliche Bebauungen und Abschnitte mit vielen Menschen habe ich ausgeblendet. So ist der weiße Sand ein toller Kontrast zum schwarzen Lava Gestein. Das Wasser ist sehr flach. Dort wo man baden könnte ist es durch Schilder verboten. Wäre aber auch eine Überwindung






Jetzt bleibt noch ein wenig Zeit für Busan/Gyeongju im Südosten der Insel, gleich gegenüber von Japan. Ich bekam mal wieder beim Check in einen Platz am Notausgang. Nicht schlecht bei 34 Euro für den Flug. Dabei hätte ich sogar ohne Gepäck noch mehr sparen können. Das hatte ich in Seoul gelassen…
Gyeongju ist eine Art riesiges Freilichtmuseum. Es war die Hauptstadt des Königreichs, das fast ganz Korea bedeckte und hatte seinen Anfang im 1. Jahrhundert. Die Ecke hier wurde weitläufig restauriert, und mehrere Könige liegen begraben unter riesigen Hügeln















Kurze Busfahrt zum Gyeongju NP, Samneung trail










Die Wanderung war sehr schön. Sie enthält wieder einige Stufen, aber auch viel natürlichen Pfad. Trotzdem muss ich bald wieder irgendwo hin wo es schön ist und das nicht zum Nationalpark erklärt wurde. Vor ein paar Wochen erklärte mir ein Tibeter, der lange als Sherpa gearbeitet hat seine Sicht auf die Nationalparks: Für ihn gehen sie mit der Zerstörung intakter Natur, Kultur und Spiritualität einher…
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